Gestern Abend habe ich mit Schrecken festgestellt, dass unser Halbstamm-Kischbäumlein von einer Krankheit oder einem Schädling befallen ist und daran ist, alle Blätter zu verlieren. Auch bei unserem zweiten kleinen Halbstamm-Kischbaum, der direkt daneben wächst,zeigen sich auch erste Zeichen. Hier liegt ein Mischbefall von zwei unterschiedlichen Krankheiten vor. Einerseits weisen die abgedorrten Triebspitzen auf eine Monilia-Pilzinfektion hin. Andererseits werden die durchfallenden Blattflecken und die daraus resultierenden Löcher durch den Pilz «Schrotschuss» verursacht. Der Befallsdruck beider Pilzinfektionen ist sehr witterungsabhängig: Je regnerischer und kühler, umso stärker entwickeln sie sich. Alle Steinobst-Arten sind diesbezüglich besonders anfällig. Hier zeigt sich das Dilemma der Schutzmassnahmen: Bei regnerischer Witterung, wenn Gegenmassnahmen am nötigsten sind, wird der Effekt immer wieder weggeregnet. So müssten Behandlungen regelmässig wiederholt werden, was im Hausgarten kaum jemand konsequent machen möchte. Bei trockener Witterung, wenn man gut behandeln kann, bleibt der Befallsdruck von selber eher bescheiden. In Anbetracht dieser Konstellation gilt zu leben und zu verstehen, dass der Befallsdruck von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausgeprägt ist: Manchmal hat man Glück, manchmal Pech. Wer trotzdem mit einer Schutzbehandlung sein Glück versuchen möchte, müsste die anfälligen Steinobstbäume ab dem Austrieb konsequent wöchentlich vorbeugend mit Brennnesselextrakt besprühen. Erfolgsversprechender als den Befall im Frühling künstlich reduzieren zu wollen, ist es, optimale Bedingungen für die sommerliche Regeneration zu schaffen. Einerseits durch einen mutigen Vorsommerschnitt nach dem Befall. Dadurch werden die am ärgsten befallenen Pflanzenteile mechanisch entfernt und die Pflanze zu einem frischen, gesunden Sommeraustrieb angeregt. Andererseits durch Bodenverbesserung und eine ausgewogene Nährstoffversorgung mit genügend Spurenelementen. Gleichwohl hier noch einige Angaben zum besseren Verständnis der Infektionszyklen: Der Monilia (Spitzendürre) verursachende Erreger tritt während der Blüte über deren Stempel ins Holz ein, zerstört die Blüten und löst die Bildung von grösseren und kleineren Krebsgeschwüren an Zweigen und Ästen aus. Dabei verschliesst der einsetzende Gummifluss die Gefässe, was zum Verdorren und Absterben der Triebspitzen führt. Um eine Ausbreitung zu verhindern, werden erkrankte Triebe bis 15 cm ins gesunde Holz entfernt. Die Löcher in den Blättern werden durch einen anderen, pilzlichen Erreger verursacht: Schrotschuss. Die Bezeichnung Schrotschusskrankheit leitet sich von der Symptomatik der befallenen Blätter ab, da diese wie mit Schrot durchschossen aussehen. Es handelt sich um eine Krankheit die vom Pilz Stigmina carpophila verursacht wird. Auch diese befällt vor allem Steinobstarten. Dabei zeigen sich zuerst an noch jungen Blättern aufgehellte Punkte, welche sich nach einigen Tagen rötlichbraun verfärben. Die Pflanze reagiert darauf mit einer Abwehrreaktion, wobei sie den Pilzerreger ausgrenzt, wodurch sich das kranke, nekrotische Blattgewebe aus dem gesunden herauslöst. Das Blatt sieht wie von einer Schrotschussladung durchlöchert aus. In der Folge vergilbt das Laub und es kommt zu einem vorzeitigen Blattfall. Der gegen Austrocknung und tiefe Temperaturen sehr widerstandsfähige Pilz überwintert an Trieben und Fruchtmumien und vermehrt sich bei feuchtkühler, niederschlagsreicher Frühjahrswitterung explosionsartig. Älteres Laub wird normalerweise kaum noch infiziert, da es einerseits zu widerstandsfähig geworden ist und andererseits die Temperaturen ab Juli für den Pilz nicht mehr ideal sind. Jedoch kommt es zur Infektion junger Triebe, die bis in den Herbst andauert, wobei der Pilz vor allem bei Ansatzstellen abgefallener Blätter eindringt.