Im Gefäss oder Hochbeet «serbelt» eine Pflanze. Man gräbt sie aus und siehe da, dicke, weisse Engerlinge im Wurzelbereich! Das müssen die Übeltäter sein – oder doch nicht? Ganz so einfach ist es meistens nicht. Auch wenn die Engerlinge nicht ganz unschuldig sind, sind sie selten die eigentliche Ursache für das klägliche Pflanzenwachstum. Sie profitieren eher davon, dass es der Pflanze nicht gut geht – und beschleunigen ihr Ableben höchstens ein wenig. «Engerling» ist ein Sammelbegriff für alle möglichen Käferlarven, etwa vom Rosenkäfer, Maikäfer, Gartenlaubkäfer oder Junikäfer. In Gefässen und Hochbeeten hast du es fast immer mit Rosenkäfer-Engerlingen zu tun. Du erkennst sie ganz einfach: Auf eine glatte Unterlage gelegt, streckt sie sich und robbt auf dem Rücken davon – ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zu den anderen, schädlichen «Engerlingen». Die Larven von Maikäfern und Co. können nicht auf dem Rücken robben, sie bleiben gekrümmt und kullern eher seitwärts oder laufen auf den Beinchen davon. Rosenkäfer legen ihre Eier gerne in Töpfe und Balkonkisten, wo es viel totes, organisches Material gibt – genau das, was die Larven zum Leben brauchen. Kompost, morsches Holz oder anderes zerfallendes Material sind ihre Leibspeise. Deswegen nehmen sie einen wichtigen Stellenwert im Kreislauf der Nährstoffe ein. Töpfe sind für sie ein wahres Paradies: In der kompostreichen, organischen Erde finden sie einen optimalen Lebensort vor. Gesunde, lebendige Wurzeln stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Deshalb gelten die Rosenkäfer-Engerlinge als Nützlinge, nicht als Schädlinge. Auf der roten Liste der gefährdeten Arten der Schweiz gelten sie sogar als schützenswert. Hier kannst du mehr darüber lesen: https: www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-der-kaefer.html Serbelt eine Pflanze, bilden sich faulige Wurzeln – diese können keine Nährstoffe mehr aufnehmen und die oberirdischen Pflanzenteile beginnen zu welken. Gerade in Blumenkisten und Töpfen, die eher etwas zu regelmässig sehr feucht gehalten werden, ist das oft der Fall. Für die kleinen Larven wird so ein Topf mit faulenden Wurzeln zum Schlemmerparadies, fast wie ein Mini-Komposthaufen. Halte deine Pflanzgefässe deswegen eher etwas trockener – das vermeidet Fäulnis und macht die Erde für Rosenkäfer weniger attraktiv. Auch eine Schicht Mineralsubstrat auf der Erde schreckt Weibchen von der Eiablage ab. Falls sich trotzdem Larven eingenistet haben, kannst du ihnen besseres Futter anbieten: Arbeite morsche, etwa 3 cm grosse Holzstücke in die Erde ein. Diese sind die Leibspeise der Engerlinge. Solcherart «abgelenkt», lassen sie die Pflanzenwurzeln unbeachtet. Du kannst die etwa 1,5 cm grossen, grün-gold metallisch glänzenden erwachsenen Käfer auch einfach von den Blüten absammeln. Das klappt am besten in den frühen Morgenstunden, da die Käfer bei kühlen Temperaturen sehr träge auf den Blüten und Blättern verharren. Die Käfer können sehr gut fliegen. Zumeist werden verschiedene Blüten von Rosen, Holunder, Weissdorn, Disteln u. a. angeflogen. Sie ernähren sich von Blütennektar, Pollen oder auch von austretenden Pflanzensäften verletzter Pflanzen. Die Entwicklung vom Engerling zum erwachsenen Käfer dauert 2 bis 3 Jahre. Nach dieser Zeit baut sich der Engerling in der Erde einen Kokon aus Holzstückchen, Erde und Sand, den sie mit einem Sekret aus dem Hinterleib verklebt. Hier findet die Verpuppung statt.