Schlägt der Frost im Frühling nochmal zu, kann das unschöne Konsequenzen haben. Da sich Frostschäden manchmal erst später richtig einschätzen lassen, lohnt es sich, vorerst noch nichts zurückzuschneiden und abzuwarten, wie sich die Blätter und Triebe in den kommenden Wochen und Monaten weiterentwickeln. Nur eindeutig abgestorbene oder geknickte Pflanzenteile kannst du sofort entfernen – beim Rest gib der Pflanze etwas Zeit, um zu zeigen, was noch in ihr steckt. Die Natur ist ja optimal auf kleinere und grössere «Katastrophen» vorbereitet. Für solche Situationen besitzen die meisten verholzenden Pflanzen schlafende Knospen oder Augen, die man in der Botanik als Proventivknospe (von proventiv = hervorkommend) bezeichnet. Sie befinden sich üblicherweise gut versteckt oder komplett unsichtbar unter der Rinde oder in den Blatt- und Triebachseln. Dort ruhen sie jahre-, teils sogar jahrzehntelang. Erst wenn Teile der Pflanze beschädigt sind, werden sie aktiv. Wo genau sie sitzen, zeigt sich erst, wenn sie anschwellen – und dann ist auch klar, wo ein Rückschnitt sinnvoll ist. Es lohnt sich also, nicht vorschnell zur Schere zu greifen. Gerade die vertrockneten Blätter übernehmen oft noch eine wichtige Rolle: Sie schützen den zarten Austrieb vor der Frühlingssonne oder Spätfrösten, die bis Mitte Mai durchaus noch vorkommen können. Wer sie jetzt aus optischen Gründen entfernt, riskiert, dass die neuen, zarten Triebe Schaden nehmen. Manchmal kann ein Frostschaden auch ein willkommener Anlass sein, eine Pflanze komplett zu verjüngen. Meine Kiwi-Pflanze beispielsweise habe ich seit Jahren immer wieder vertröstet – eigentlich hätte sie längt einen kräftigen Rückschnitt verdient. Mit dem Frost als kleinem Wink mache ich jetzt Nägel mit Köpfen und greife zur Schere. Bei Stauden, Gräsern und anderen nicht verholzenden Pflanzen ist ein sofortiger Rückschnitt unproblematisch. Auch dort bieten die abgestorbenen Pflanzenteile allerdings noch Sonnen- und Kälteschutz – wer also etwas Geduld mitbringt, tut dem frischen Austrieb einen Gefallen. Bei allen Pflanzen ist ein achtsamer Umgang beim Giessen wichtig. Besonders in Gefässen solltest du lieber zurückhaltend wässern. Je weniger Blattmasse die Pflanzen hat, desto weniger Wasser benötigt sie. Welkes Laub muss nicht in jedem Falle auf Wassermangel hindeuten – es kann genauso gut mit dem Frost zusammenhängen.