DIE BLÄTTER FALLEN, DIE GARTENSCHERE WARTET – UND VIELE HOBBYGÄRTNERINNEN UND -GÄRTNER MACHEN SICH MOTIVIERT ANS WERK. DOCH VORSICHT: NICHT JEDE PFLANZE FREUT SICH ÜBER EINEN HERBSTSCHNITT! EINIGE BRAUCHEN IHN RELATIV FRÜH, ANDERE PROFITIEREN MEHR, WENN BIS ZUM FRÜHLING GEWARTET WIRD. UND MANCHE GEHÖLZE WOLLEN AM LIEBSTEN MÖGLICHST SELTEN GESCHNITTEN WERDEN. Gartengehölze und Stauden im Spätherbst und Winter zu schneiden, hat sich zwar etabliert, ist in den meisten Fällen aber gar nicht optimal. Dies sind die Gründe, warum der Herbstschnitt oft keine gute Idee ist: * Während der Wachstumsphase können Gehölze bei Verletzungen im Splintholz – dem äusseren, jüngeren Holz – Schutzstoffe bilden, die das Eindringen von Schadorganismen verhindern. Doch im Herbst fährt die Pflanze ihren Stoffwechsel herunter und dieser Schutzmechanismus funktioniert nicht mehr richtig. Die Folge: Bakterien und Pilze haben leichteres Spiel. * Ob ein Rosentrieb gesund ist oder ob bei Heidelbeeren und Obstbäumen Blütenknospen vorhanden sind, erkennst du im Herbst oft nicht genau. Im Frühling lassen sich solche Details viel leichter beurteilen – und die Pflanzen gezielter schneiden. * Stauden ziehen sich im Herbst in die Erde zurück, um Kraft für die Winterruhe zu sammeln. Ein Rückschnitt raubt ihnen dabei wertvolle Energie – lass sie also lieber in Ruhe und warte, bis der Frühling kommt. * Abgestorbene Stiele, Blätter und Samenstände von Stauden bieten Überwinterungsquartiere für Insekten, Nahrung für Vögel und Schutz für Kleintiere. Auch der Wurzelstock deiner Pflanzen profitiert von diesem natürlichen «Wintermantel». * Viele Stauden, wie etwa Fetthennen oder Brandkraut, sehen im Winter mit Raureif und Schnee verziert einfach wunderschön aus. Manche Sträucher mögen den regelmässigen Schnitt nicht – weder im Herbst noch zu anderen Zeiten. Lass Schere und Säge bei diesen Arten lieber im Schuppen und schneide möglichst wenig: * Zierahorn (Acer) * Felsenbirne (Amelanchier) * Hartriegel (Cornus, ausser C. alba) * Glockenhasel (Corylopsis) * Seidelbast (Daphne) * Spindelstrauch (Euonymus) * Federbuschstrauch (Fothergilla) * Maiglöckchenstrauch (Halesia) * Zaubernuss (Hamamelis) * Goldregen (Laburnum) * Magnolie (Magnolia) * Scheinbuche (Nothofagus) * Glanzmispel (Photinia) * Schneeball (alle, ausser Viburnum opulus) * Nadelgehölze, ausser Lebensbaum (Thuja) und Taxus (Eibe) VON SÄULENBÄUMEN? Säulenbäume sind genetisch darauf ausgelegt, schlank zu wachsen. Sie bilden nur kurze Seitentriebe, weshalb sie kaum einen regelmässigen Schnitt benötigen. Falls die Seitentriebe dennoch zu lang werden, kürzt du sie im Frühling um etwa zwei Drittel ein. Birnen, Zwetschgen, Kirschen, Aprikosen, Nektarinen und Pfirsiche solltest du im Februar zurückschneiden. Ein Sommerschnitt Anfang Juli hilft, die Form zu erhalten. VON HECKEN? Hecken freuen sich über einen Schnitt im Frühjahr (Mai/Juni) und nochmals ab der zweiten Augusthälfte . Der Winterschnitt eignet sich vor allem für laubabwerfende Gehölze und hat den Vorteil, dass keine Vogelbrut gestört wird. Deswegen solltest du beim Frühjahrsschnitt zuvor die Hecke nach allfällig vorhandenen Nestern absuchen. Zwar genügt in der Regel ein Schnitt pro Jahr, doch je öfter du eine Hecke schneidest, desto dichter wächst sie. Ist sie frisch gesetzt, tragen zwei jährliche Schnitttermine dazu bei, dass sie schneller dicht wird und in Form kommt.