Schädliche Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sind mittlerweile für die private Anwendung nicht mehr im Handel erhältlich. Dies zu Recht, denn deren sachgerechte Anwendung bedarf einer fundierten Spezialausbildung. Ab sofort ist wieder breites Naturverständis gefragt. Der neue Pflanzenschutz nach altem Wissen ist im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig: Gefördert wird die selbstregulierende Pflanzenvitalität, was weniger kostet und längerfristig weniger Aufwand bedeutet. Es braucht jedoch zusätzliches Wissen um die erfolgreiche Anwendung von Kompost, stärkenden Pflanzenjauchen, effektiven Mikroorganismen, Nützlingen oder Mischkultur. So sicherst du auch die Nahrungsgrundlage von Wildbienen, Igeln und allen anderen Tieren, die deinen Garten mit Leben füllen. Wenn du im Takt mit der Natur gärtnerst, gärtnerst du mit Gelassenheit und deine Pflanzen bleiben gesund. Das heisst konkret: Lass wachsen, was gedeiht. Perfekt aufgeräumte Beete waren gestern! Heute weiss man, dass Vielfallt und etwas Anarchie im Garten für die Gesundheit aller Pflanzen wichtig ist. Zum Beispiel, wenn ökologisch wertvolle Wildpflanzen wie Gundermann, Ehrenpreis, Rundblättriger Storchschnabel und sogar Brennnesseln die Beete bereichern. Was ein «Unkraut» oder «Beikraut» ist, ist immer eine Frage der Perspektive. Viele Beikräuter sind dank Nektar und Samen wichtige Nahrungsquellen für die Tierwelt – und obendrein auch von optischem Reiz. Schneidest du ihren Blüten vor der Samenbildung ab, hältst du ihre Ausbreitung in Schach. Ein naturnaher Garten bedeutet nicht Chaos, sondern das bewusste, kontrollierte «Wuchernlassen» einzelner Bereiche. Je entspannter du gärtnerst, desto mehr Artenvielfalt stellt sich ein. Unsere heimischen Pflanzen haben so viel zu bieten – ganz besonders solche, die in Wiesen wachsen. Schmetterlinge und Wildbienen lieben die bunte Mischung aus Wiesenmargerite, Berg-Flockenblume, Tauben-Skabiose und Wiesen-Salbei. Frühblüher wie Schneeglöckchen und Krokusse sind für hungrige Insekten im Frühling ein Segen, während Herbstblüher wie Astern oder ungefüllte Dahlien den Tisch auch im Spätsommer reichlich decken. Für Bienen völlig nutzlos hingegen sind die Blüten der Forsythie, die weder Pollen noch Nektar bieten. Pflanze stattdessen Kornelkirsche oder Wildrosen. Heimische Wildsträucher bieten Lebensraum nicht nur für Insekten: auch Vögel, Säugetiere und Amphibien ziehen hier ihren Nachwuchs gross, finden Unterschlupf und Nahrung. Bei uns findest du ausgewählte Schweizer Wildstauden, mit denen sich Blumenwiesen, Wildstaudenbeete und Hecken wunderbar strukturieren lassen. Tipp: Gartenkurs - Wildblumenwiese anlegen Wusstest du, dass drei von vier einheimische Wildbienen-Arten in selbstgegrabenen Gängen direkt im Boden nisten? Dafür benötigen sie offene, sonnige Sandflächen, die nicht oder nur wenig bewachsen sind. Auch Wandkiesflächen, Totholz, markhaltige Stängel zum Beispiel von Brombeeren und Himbeeren, sogar Schneckenhäuser sind potenzielle Kinderstuben. Manche oberirdisch nistenden Wildbienen, einige Kuckucksbienenarten und viele solitär lebenden Wespenarten profitieren zudem von Wildbienenhotels – diese allerdings müssen spezielle Kriterien erfüllen, damit sie den Anforderungen der Tiere wirklich entgegenkommen. Herbstlaub in die Grüntonne? Besser nicht! Häufe es in einer ruhigen Gartenecke auf und schaffe damit eine kuschelige Überwinterungsmöglichkeit für Igel, Kröte und Co. Mit ein paar Ästen beschwert, bleibt dein «Naturbett» an Ort und Stelle. Vielfältige Strukturen wie Wurzelstöcke, Totholz, Laub- oder Asthaufen sind wichtig, damit Igel, Blindschleichen, Kröten und Eidechsen, aber auch Vögel, Fledermäuse und verschiedene Insekten auf kleinem Raum genügend Futter und Versteckmöglichkeiten finden. Asthaufen kannst du aus den Ästen und Zweigen anlegen, die beim Baum- und Strauchschnitt angefallen sind. Wenn du möchtest, dass sich Eidechsen ansiedeln: Mische Feinmaterial wie Rasenschnitt oder Laub unter, denn die Reptilien legen ihre Eier gerne in verrottendes Feinmaterial, wo die Verrottungswärme beim Ausbrüten hilft. Steinhaufen und Trockenmauern aus Naturstein, die ohne Mörtel oder Beton errichtet werden, sind wahre Reptilien-Wohlfühloasen. Auch Kröten, Molche und Insekten verstecken sich gerne in den Steinritzen. Ein idealer Steinhaufen besteht aus unterschiedlich grossen Steinen: Die Mehrheit sollte einen Durchmesser zwischen 20 und 40 cm aufweisen, sodass kleinere und grössere, stabile Hohlräume entstehen. Besonders Eidechsen schätzen es, wenn der Haufen an einem sonnigen und windgeschützten Standort platziert ist. Ob Vogeltränke, Miniteich oder eine Schale Wasser für durstige Igel oder Bienen – eine Wasserstelle ist im Sommer unverzichtbar. Wichtig ist, sie regelmässig zu kontrollieren, damit sich darin keine Tiegermücken vermehren. Ein kleiner Teich mit flachem Ufer ist ein Highlight für viele Tiere. Den kannst du auch auf kleinem Raum anlegen. Ein naturnaher Garten braucht keine Dauerbetreuung, aber vorausschauende Pflege, um die Vitalität der Pflanzen und die Biodiversität langfristig zu erhalten. Mit der Natur zu gärtnern heisst auch, dass du in ihrem Rhythmus gärtnerst. In unseren Kursen kannst du dir die dafür notwendige Sachkenntnis aneignen. Wenn es blüht, grünt und zirpt, ist der Garten lebendig. Gerade in Zeiten von Klimawandel und Artensterben ist jeder Quadratmeter naturnaher Vielfalt ein Gewinn. Dazu muss er nicht einmal sehr gross sein. Viele Massnahmen funktionieren auch auf dem Balkon. Mit diesen acht Tipps kannst du Wildbienen, Vögel, Igel & Co. dabei unterstützen, Unterschlupf, Nahrung und ein Zuhause in deinem Garten zu finden. Gartenkurse entdecken